Email aus Südamerika

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In Ushuaia

Hinter dem Horizont Pampa

Ushuaia, angepriesen als südlichste Stadt der Welt, war übervölkert mit Touristen. Kein Wunsch sollte für diese unerfüllt bleiben. Teure Hotels, Juweliere, viele Anbieter so manch einer Exkursion und für mich ein Zivilisationsschock nach den Tagen auf Navarino. Unsere Nacht war kurz. Am nächsten Tag war ein mehrstündiges Busprogramm geplant. 34 Stunden am Stück mit Grenzkontrollen, einer Fährfahrt und drei Buswechseln.

…wie bereits angekündigt, starteten wir unsere Busreise frühmorgens um 5 Uhr in Ushuaia, zufrieden, ein Ende der Welt zu verlassen. Der Busfahrer war unausgeschlafen, so wie wir. In Rio Grande stiegen wir in einen etwas komfortableren Bus, (beides Ecni-Austral) mit einem ausgeschlafenen Fahrer, um. Bei der ersten chilenischen Grenzkontrolle wurden mir eine Banane, eine Tomate und eine Papaya abgenommen, den eingeschweißten Käse durfte ich behalten. Es galt ein Einfuhrverbot für Lebensmittel. Der Zollbeamte war freundlich und ich mußte nur ein Formular ausfüllen und die nicht erwünschten Produkte wurden entsorgt. Wir erreichten Rio Gallegos pünktlich. Die Bustickets hatten wir ja bereits und so blieb genug Zeit um mit Genuß noch eine Riesenpizza zu verzehren. Eng gedrängt saßen wir mit anderen Wartenden im Lokal des Busbahnhofs, einem Knotenpunkt verschiedener Buslinien. Unser Nachtbus von Andesmar in Richtung Caleta Olivia war im Nachhinein die Premiumklasse auf dieser Reise. Wir waren pizzasatt, – was nun?, die Überrraschung, es gab noch warmes Essen an Bord. Sehr gut zubereitet, so fand Albrecht. Er hatte noch Platz in seinem Magen, ich leider nicht mehr. Selbstverständlich waren auch Kissen und Decken vorhanden. Draußen legte sich die Nacht über das Land, wir schliefen bis kurz vor 6 Uhr. Unsere Ankunft war zwei Tage früher als geplant, da wir die Strecke von Ushuaia bis hierher auf einen Rutsch zurücklegen konnten. Nach einigem Hin und Her entschlossen wir uns, weiter nach Puerto Deseado zu fahren und nicht hier in Caleta zu übernachten. Also nochmals an die drei Stunden Busfahrt anhängen. Gemütlich stärkten wir uns in einem Bistro bei einer mütterlichen Wirtin mit Croissants und Kaffee. Albrecht ließ am Ticketschalter die in Eile wirkenden Argentinier vor. Irgendwann kam er dann doch mit Fahrkarten zurück. Er hatte auch Tickets für den Bus nach Buenos Aires in vier Tagen besorgt. Super! Ich bewunderte ihn, vor zwei Jahren hatte er begonnen Spanisch zu lernen, auch einen 14tägigen Kurs in Oaxaca, Mexiko, hatte er belegt. Die Verständigung klappte gut, manchmal mit kleinen Problemen, – aber immer bekamen wir das was wir uns vorstellten.

Puerto Deseado – im Hintergrund am Felsen unsere Unterkunft
Puerto Deseado in früheren Zeiten – gesehen im Eisenbahnmuseum

Ziemlich kaputt erreichten wir Deseado. Am Busbahnhof suchte Albrecht nach einer Infostelle. Er fand eine, doch die war geschlossen. Ohne Plan schienen wir in dieser Kleinstadt irgendwie verloren. Der Reinigungskraft Elena erschien dies wohl ebenso, sie erkannte unsere Hilflosigkeit und sprach uns an. Mit Sack und Pack verfrachtete sie uns dann in ihr neues Auto und brachte uns zur reservierten Unterkunft, wo leider niemand zu erreichen war. Schließlich setzte sie uns im zentralen Tourismusbüro ab. Mit der Entschuldigung, sie müsse wieder an ihren Arbeitsplatz zurück, verabschiedete sich Elena. Die beiden Angestellten kümmerten sich nun um uns müde Reisende. Es klappte mit der Anmeldung in der Unterkunft. So machten wir uns auf den Weg. Zu Fuß, durch einen kleinen Park und die Straße hoch, gelangten wir, bepackt mit Rucksack und Handkoffer zu den Cabanas las Nubes. Wunderschön auf einen Felsen gelegen waren wir glücklich in unserer “Wolkenhütte” angekommen. Florencia, die Tochter der Besitzer, empfing uns gastfreundlich. Wir waren nun zwei Tage zu früh eingetroffen, konnten aber ohne Probleme bleiben, allerdings mit einem “Hüttenwechsel” nach 2 Nächten. Ich schleppte noch meinen aus Puerto Williams importierten Husten samt Herpes mit mir, er war mir an der Grenze leider nicht abgenommen worden. Wir kochten selbst. Die Küche mit Blick auf das Mündungsgebiet des Rio Deseado lag hoch oben am Felsen. Sie erinnerte mich an die Küche in Lüderitz/Namibia, (Bericht: http://www.weltenquerung.de/2018/12/20/wo-deutschlands-kaiser-einst-das-sagen-hatte/ 

Gesehen im Bahnhofsmuseum in Puerto Deseado

Im Supermarkt machten wir eine überrraschende Endeckung. Plastiktüten gab es nur auf Nachfrage, und dabei wurde man auch noch irritiert angesehen. Einkäufe wurden in mitgebrachte Taschen, Holzkisten oder Ähnlichem verstaut. Umweltschutz war hier nicht nur ein Wort, er wurde auch praktiziert. Bei unserem zweiten Einkauf hatten wir auch unsere große, gelbe Stofftasche mit und waren somit wohlgelitten. Zwei geführte Touren buchten wir vor Ort bei Chantal, http://losvikingos.com.ar Sie war ausgebildete Meeresbiologin und konnte so viel an Wissen und Informationen weitergeben.

Zusammen mit einer deutschsprachigen Reisegruppe (Papayatours) konnten wir auf der Insel der Pinguine brütende Magellanpinguine und die eigenwilligen Rockhopper beobachten. Wir waren immer bedacht, nicht auf eines der Gelege zu treten und hielten uns an die ausgezeichneten Wege.

Der Name Rockhopper ist Programm. Sie watscheln nicht nur, sondern überwinden Höhenunterschiede durch elegantes Hüpfen.

Eine Kolonie männlicher Seelöwen gab erst einmal Rätsel auf. Wir erfuhren, daß es sich dabei um Alte handelte, die sich gegen ihre Konkurrenten nicht mehr durchsetzen konnten. Sozusagen abgehalfterte Chefs lebten im erzwungenen Ausgedinge. Albrecht witzelte was von einem “Seniorenheim”. Auch jüngere Seelöwen, die ihre Gruppe verloren hatten, schienen in der Bucht ein Zuhause gefunden zu haben. Auf der Rückfahrt im Schlauchboot ergab sich so manches Gespräch. Unter anderem, – die Welt ist klein, stellten eine Frau und Albrecht fest, daß sie vor 40 Jahren zur gleichen Zeit in derselben Hamburger Straße gewohnt hatten.

Chefs a.D.

Der zweite Bootsausflug am nächsten Tag brachte uns zu einer Flußinsel im Rio Deseado. Die neugierigen Magellanpinguine schienen uns schon zu erwarten. Ich legte mich ungefähr zwei Meter vom Ufer entfernt in den Kiesstrand, um zu fotografieren. Einer dieser Kerle kam auf mich zu, beäugte mich und versuchte meine Kniekehle zu ergründen. Ich robbte davon. An den nächsten Tagen erkundeten wir die Stadt. Am vorabend unserer Abreise bekamen wir Besuch von Carlos und seiner Frau. Wir hatten das Treffen mit unserem Gastgeber aus Puerto Williams so vereinbart und beschlossen mit diesem unterhaltsamen Abend unseren Aufenthalt.

Bei unserer Abfahrt trafen wir am Busbahnhof nochmals auf Elena. Nach anfänglichen Sträuben ließ sie sich dann doch noch auf einen Kaffee einladen, dazu gab es noch ein herzliches Dankeschön, muchas gracias. Einer der Passagiere nahm gestenreich Abschied von seiner Familie, bevor er in den Bus stieg und Platz nahm. Albrecht und er kamen über den Gang hinweg ins deutsch-spanische Gespräch. Die Welt ist wirklich klein, wie ich schon einmal feststellen konnte. Der Gesprächspartner entpuppte sich als argentinischer Major der Panzertruppe. Seine Ausbildung hatte er in Munster/ Niedersachsen erhalten. Ich döste am Fensterplatz. Die beiden Männer unterhielten sich, soweit ich verstehen konnte, über Panzer und Militär. Bei diesem Thema war auch Albrecht sachkundig. Die Fahrt nach Caleta Olivia erschien mir kürzer als auf der Herfahrt. Am nächsten Tag wollten wir nach Buenos Aires starten. Eine Übernachtung im Hotel Patagonia hatte uns Florencia aus unserer Unterkunft in Deseado vermittelt, – Verwandschaft. Es lag etwas außerhalb und wirkte modern und sauber. Die georderten Gerichte im Restaurant entsprachen nicht diesem ersten, guten Eindruck. Das Fleisch war zäh und trocken. Wir machten noch einen langen Strandspaziergang ins Zentrum der Stadt. Ich lockte Albrecht in einen Laden, von dem ich meinte, er sei ein Supermercado. Es war aber nur ein Laden für Tierfutter… Mit unserem kleinen Einkauf in einem richtigen Supermercado fuhren wir mit dem Taxi zurück in das Hotel. Es war ein wenig Proviant für unterwegs. Wir wußten ja aus Erfahrung um die gute Verpflegung an Bord der Busse. Nach kurzer Nacht starteten wir nochmals auf eine Taxifahrt zum Busbahnhof. Die Frage des Fahrers nach den Kängurus in Austriaca konnte ich leider nicht beantworten. Wie so oft wird Austria auf der südlichen Erdhalbkugel verortet. Mit einem Bus der Firma El Pinguino SRL ging es Richtung Buenos Aires.

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