Zwischen Beijing und Osaka 1.Teil

Zwischen Beijing und Osaka 1.Teil

Es begann damit, daß Albrecht Jahre zuvor eine Patenschaft für Nyamdorj übernahm und endete mit einer Reiseplanung zu der meine Schwägerin auf die rhetorische Frage, ob sie denn mitfahren wolle, mit einem ausdrucksstarken “nee!”, antwortete. Im ersten Teil berichte ich über unsere Erlebnisse auf der Reiseroute von Beijing bis nach Olchon, einer Insel im Baikalsee. Der zweite Teil umfaßt den Start in Irkutsk, die Fahrt mit der Transsib nach Wladiwostok und weiter über die See, mit Zügen und Bus nach Osaka in Japan.

Beijing

Aus Kostengründen hatten wir Qatar Airways gebucht. Das Emirat subventioniert die Airline, daher die günstigen Preise. Am Abflughafen in Frankfurt-Main war man kurz erstaunt, da unser beider Gepäck, 2 Rucksäcke in unseren bereits bewährten Sack-Schutzhüllen, nur 21 Kilogramm und “Nochwas” auf die Waage brachten; dazu zwei, eher kleinere, Bordkoffer. Der Flug ging zuerst nach Doha, der Hauptstadt des Emirats Qatar. Gut war über Rumänien das Donaudelta zu erkennen und später die kargen Landschaften der Türkei und des Iraks. Es war noch Ramadan. Im geschäftigen und doch übersichtlichen Airport war davon nichts zu spüren. Nach ungefähr 8 Stunden Aufenthalt ging es durch die Nacht in Richtung Beijing. – Gut gelandet, Gepäck und Reisende angekommen im modernen Flughafengebäude mit seinem Kuppeldach in “Neststruktur”. Auf B1 wollten wir eines der offiziellen Taxis zu unserem Hotel chartern, was sich als langwierig heraustellen sollte. Das Hotel hatten wir über ein Reisebüro gebucht. Die Visaanträge hatten Voucher erforderlich gemacht. Die Versicherung des Reisebüros, es gäbe keine Probleme mit den Taxis, noch niemals gegeben, die Taxifahrer wüßten….Aus dem Internet hatte ich mir die Hoteladresse in chinesischer Schrift ausgedruckt, (sehr zu empfehlen). Langer Rede, kuzer Sinn: zweimal lud der Taxifahrer, das von Albrecht in den Kofferraum gelegte Gepäck wieder aus. Mit Hilfe von zwei englisch sprechenden Flughafen-Guides konnte er überzeugt werden, uns doch zu fahren. Als die Fahrtkosten geklärt waren, ich zeigte ihm die Scheine, die wir zu bezahlen bereit waren, legte er los. Geld hatte ich bereits am Airport gewechselt, und das ohne Probleme. Das Telefonat des Fahrers mit unserem Hotel entspannte uns, und auch ihn.Zielsicher erreichten wir unser Hotel. Nun, ein ganzer Tag, morgen und zwei Nächte in Peking, nicht gerade üppig.

Albrecht kannte Beijing bereits von einer früheren Reise und stellte mir die Planung für unseren Aufenthalt völlig frei. Die Nähe des Hotels zum Tian’anmen Platz ließ uns zu Fuß aufbrechen. Der Begriff Menschenmassen wurde mir hier deutlich vor Augen geführt. Schlangen von Wartenden vor dem Mao-Mausoleum versperrten uns des öfteren den Weg. Immer wieder tauchten Polizisten auf und leiteten die Massen, auch Kontrollen wurden durchgeführt. Windelpflichtige Kleinkinder, nur mit Hosen bekleidet, die einen langen Schlitz aufwiesen, erregten mein Interesse. Überrraschend für mich war auch die Dichte der vorhandenen, kostenlosen und auch, – wie ich feststellen konnte, sauberen Toiletten. Die Verbotene Stadt hatte ich nicht in mein Programm aufgenommen. Wir verließen den Platz in Richtung Liulichang Gasse. Kleine Läden in diesem noch alten erhaltenen Viertel boten Zeichenmaterial an. Pinsel in allen Größen und Stärken waren zu sehen und noch vieles mehr für die Ausübung der Kalligraphie. Jadeschnitzereien, Altes und weniger Altes wurden ebenso angeboten, wie auch so mach Kurioses, – Damenschuhe in denen einmal bandagierte Füße steckten, die klein bleiben sollten und mußten. Ich erstand ein Holzmodel für meine Sammlung. Den Preis handelte ich nach unten, zu unserem beiderseitigen Vergnügen. Auf dem Rückweg konnte ich einen zornig erregten Chinesen sehen, der handgreiflich seinen, ich vermutete, Chauffeur schubbste und stieß. Dabei schrie er in hoher Tonlage. Was war passiert? Das überlange, neue Auto war mit seinem Hinterteil an die Hausmauer gestoßen, und zwar ganz ordentlich. Der arme Fahrer ließ alles über sich ergehen, schlimm. Als Albrecht aus der daneben liegenden Bank zurückkam, er hatte Geld gewechsel, gingen wir weiter. Mein Bild von Chinesen hatte sich verändert. Nach dem Abendessen in einem kleinen Lokal, an dem wir schon an unserem Ankunftstag gegessen hatten, klapperten wir noch einige Gassen ab. Akazienbäume beschatteten die Reste weniger alter Straßenzüge Pekings in unserem Viertel. Hier verlief das Leben armseliger, aber auch ruhiger. Nachts wurde im Neubau um die Ecke Estrichbeton verbaut, wir konnten kaum schlafen. Frühmorgens, noch ohne Frühstück, fuhren wir mit einem Hoteltaxi zum Airport Terminal 3, Abflug mit MIAT nach Ulaanbaatar. Der Flug über die Innere Mongolei, die noch zum Staatsgebiet der VR China gehört, verlief entspannt mit Blick auf die karge Landschaft. Der Beginn der Äußeren Mongolei war für mich nicht zu erkennen. Die Landschaft sah marmoriert aus, Tagebau wie mir schien. Großflächige Gebiete die nicht meinem Bild einer mongolischen Landschaft entsprachen.

Beijing – Railwaymuseum
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