Unterwegs in Armenien

Unterwegs in Armenien

Als ich mein nächstes Reiseziel in so mancher Runde nannte wußten einige nichts damit anzufangen. Armenien, naja, das liegt ja eigentlich schon in Asien, oder doch nicht? Geografisch kann man das so sagen, doch Armenien empfindet sich Europa näher verbunden. Das Christentum, soweit bekannt, schlug in seinen Anfängen im Land Wurzeln. Der Berg Ararat liegt heute in der Türkei, im armenischen Hochland Ostanatoliens. Aus Armenien ist von fast überall, sein schneebedeckter Gipfel zu sehen. Nach der biblischen Sintflut soll Noahs Arche im Gebirge Ararat gestrandet sein. Der Tourismus ist heute noch im Aufbau, doch die geschichtliche Vergangenheit, Kultur und die Landschaft waren für mich ausschlaggebend. Ich buchte diese Gruppenreise wieder bei Summit- DAV. Es war meine Vierte bei diesem Anbieter des Deutschen Alpenvereins.


Im Abflugbereich des Frankfurter Flughafens saßen noch neun andere Armenienreisende, die vielleicht ebenso überlegten, wie ich, wer denn wohl zu dieser Summit-Reisegruppe gehören könnte. Zwei lernte ich dann bereits beim Boarding kennen. Ich zeigte ihnen die Teilnehmerliste und fragte, ob sie sich darauf wiederfinden. Sie bejahten und wir tauschten uns kurz aus. Der Flug mit Condor nach Eriwan, der Hauptstadt, Armeniens, verlief ohne Probleme. Unsere Reiseleiterin erwartete uns am Flughafen und wir versammelten uns nun vollständig um sie. Nach einer Begrüßung ging’s mit einem Kleinbus in das Hotel. Es lag direkt in der Innenstadt. Buntes Treiben konnte ich zu dieser späten Stunde auf den Straßen beobachten.


Am nächsten Tag, nach einer offiziellen Begrüßung, stand die Besichtigungstour auf dem Programm. Es wurde eine 4stündige Wanderung durch das Stadtzentrum. Eriwan zeigte sich als moderne Großstadt. Viele der älteren Häuser waren aus Tuffsteinen gebaut, die der Stadt den zweiten Namen gaben: die rosarote Stadt. Viele Geschäfte hatten einen blumengeschmückten Eingang und auf so mancher Hauswand waren farbenfrohe Wandmalereien zu sehen. Es gab keine Hochhäuser, viel Verkehr und auch viel Grün. Auffällig waren die zahlreichen teuren Autos, aber auch überall der ständige Gebrauch von Handys, besonders bei jungen Leuten. Ich sah kaum Unterschiede zu anderen europäischen Großstädten.

Ein Höhepunkt war der «Alexander Tamanyan Park» mit einigen Plastiken des kolumbianischen Künsterls Fernando Botero.

Das Highlight aber war die «Kaskade», ein Treppenaufgang zu einem Obelisk auf einer Bergkuppe. Die 572 Stufen nahmen wir gerne in Angriff, denn oben hatten wir einen phantastischen Ausblick auf die Stadt.


Link http://www.historymuseum.am Reinschauen lohnt sich!


Eine lange Fahrt in den Süden Armeniens stand uns bevor. Die erste Etappe führte durch die Ararat-Ebene. Sie ist der fruchtbarste Teil des Landes. Obstplantagen wechselten mit Feldern und Weinbergen ab. Als Obstsorten waren Aprikosen, Äpfel und Granatäpfel am häufigsten vertreten. Der Ararat, ein schneebedeckter Fünftausender, war meist gut zu sehen, außer ein Wolkenvorhang verhüllte ihn. Kurz nach dem Weindorf Areni hielt unser Bus am Straßenrand. Wir stiegen aus, um uns mit dem wartenden Wanderführer zum Kloster Norawank aufzumachen. Unsere Reiseleiterin hatte die anstrengenden Tourangebote abgegeben. Nach ungefähr 7 Kilometer erreichten wir das Kloster. Der Weg führte erst moderat hoch, doch der letzte Abschnitt vor unserem Ziel war steil. Nach einer kurzen Pause hatten wir alle dieses Teilstück geschafft.

«Norawank» bedeutet «Neues Kloster». Seit dem 9. Jhdt. gibt es das Kloster, die Kirche wurde im 14. Jahrhundert für eine Fürstenfamilie als Mausoleum errichtet. Nach einer Besichtigung machten wir uns wieder auf zu unserem Bus. Weiter ging die Fahrt dann in Richtung Süden, immer schneebedeckte Berge im Blick und so manche Besonderheiten. Für mich klar erkennbar waren im Gelände Schützengrabenstellungen und eine ausgebaute Wallstellung. Beides sollte der Ausbildung und dem Training von Rekruten eines nahe gelegenen Militärcamps dienen; so meine Vermutung.

In der Kleinstadt Goris erreichten wir unser Hotel «Mina». Diese interessante Tagesetappe war beendet und ein gemeinsames Essen beschoss den Abend. Foto©Gerd B.


Am nächsten Tag, es war Mittwoch der 6. Mai, war unser erstes Ziel ein ehemaliges Höhlendorf in Südarmenien. Unterwegs blieben wir an manchen interessanten Stellen stehen, auch um Fotos zu machen.

Seit 2012 gibt es eine Hängebrücke, die von den auf der Höhe lebenden Bewohnern selbst finanziert und gebaut wurde, um Touristen leichter an diesen Ort zu bringen. In dem verlassenen Dorf steht noch eine Kirche, in die sonntags sowohl ein Priester als auch Dorfbewohner kommen. Erreichbar ist das Höhlendorf über eine Treppe abwärts mit ungefähr 400 Stufen, um dann über die Hängebrücke das 60 Meter tiefe Tal zu überqueren.

zurück in Goris, nach Buswechsel folgte die Fahrt zum Kloster Tatev

Die «Wings of Tatev«, so wird die Gleitseilbahn genannt, die seit 2012 zum Kloster Tatev führt. Sie soll mit 5,7 Kilometer die längste der Welt sein. Tatev war im Mittelalter ein Zentrum der armenischen Hochkultur. Bis zu 1000 Mönche arbeiteten und lebten im Klosterbereich. Auch gab es seit 1340 eine Universität; (zum Vergleich: die erste in Heidelberg/Deutschland ab 1386 ). In der Kirche Peter & Paul liegen die Gebeine von Petrus und Paulus, daher der Name.

Mit der Seilbahn waren wir hochgefahren, zu Fuß machten wir uns mit einem weiteren anderen Wanderführer wieder auf den Weg nach unten. Auf einem gut ausgeschilderten Steig, vorbei an einer alten Eremitage, die noch bewohnt war, gelangten wir über die Teufelsbrücke nach 14 Kilometer und 650 Höhenmeter zu unserem Bus.


Die Nacht zum Donnerstag hatten wir wieder in unserem Hotel Mina in Goris verbracht. Morgens stiegen wir mit unserem Gepäck in den Bus, denn unsere nächste Unterkunft lag in Getashen, in der Nähe des Sewan-Sees. Es ging los in Richtung Norden


Gestern konnten wir schon einen Blick auf den Sewan-See werfen, heute, Freitag, sollten wir ihn näher kennen lernen. Für mich war diese Etappe etwas Besonderes. Vor etwa 75 Jahren hatte ich ein russisches Kinderbuch gelesen, – «Am Ufer des Sewan-Sees», und heute erlebte ich den See hautnah. Lange fuhren wir an seiner Küste entlang in Richtung Norden bis zur Stadt Sewan. Auf einer Halbinsel im See lag eine Kirche, die wir inmitten vieler Touristen besuchten. Chinesische und russische Gruppen waren in der Überzahl.

Früher lag die Kirche auf einer Insel, aber durch die Entnahme von Wasser für umfangreiche Bewässerungsprojekte und Stromerzeugung war der Wasserspiegel des Sees um mehrere Meter gesunken. So entstand aus einer Insel eine Halbinsel. Der See ist doppelt so groß wie der Bodensee, dreimal so groß wie der Gardasee und liegt auf einer Höhe von 1900 Meter über dem Meer. So gesehen fast ein Gebirgssee.


Auf der Rückfahrt nach Eriwan war abseits der Route die Stadt Ashtarak, die wir passierten, um am Rande einer Schlucht eine Kirche zu besichtigen. Ich meine sie hieß Saghmosawank, ja, genau so. Im Internet bin ich fündig geworden. Die Vielzahl der Kirchen im Land namentlich zu benennen erforderte Recherche. Die Schlucht ist auch zu durchwandern, leider nicht für uns an diesem Tag.

Zurück in Eriwan bezogen wir unsere Zimmer im schon bereits bekannten Hotel «Royal Plaza» an der Partymeile. Den Abschluß dieser Reise sollte am nächsten Tag noch eine Wanderung bilden, und so war es auch.

Samstag am Vormittag war das Ziel eine Kirche am Stadtrand von Eriwan. Sie sah ähnlich aus wie viele andere die wir schon gesehen hatten. Mohnblumen begleiteten uns.


Die Weiterfahrt führte uns nach Etschmiadsin. Dort befindet sich das religiöse und administrative Zentrum der Armenischen Kirche. Mein Einwurf, eine Art «Vatikan», fand die Zustimmung unserer Reiseleiterin; leider konnte ich mir ihren Namen nicht merken, «Jhasmit?», armenisch halt. Der Bereich bietet Platz für die Zentralkirche, Taufkirche, Räumlichkeiten für Verwaltung und Veranstaltungen, Ausbildungsstätte für Priester und ein Restaurant.


Gedenkstätten haben einen hohen Stellenwert für die Bevölkerung, sie findet man an vielen Orten, so auch hier. Dem Genozid durch die Türken, die dies nicht als Verbrechen anerkennen, wird besonders am am 24. April gedacht. An diesem Tag im Jahr 1915 begannen Vertreibung und Ermorderung von an die 1,5 Millionen Armeniern.

Zurück im Hotel machten sich einige von uns noch zu einer kleinen Tour auf. Für mich war diese Reise zu Ende. Ich bereitete mich auf die Abreise vor, die nach Mitternacht am Sonntag geplant war. Alles hatte gut geklappt und ich war bepackt mit vielen neuen Eindrücken von diesem schönen Land im Kaukasus, wo der Ararat grüßt.

Eine Legende nahm ich noch mit auf die Heimreise. Sie wurde von unserer Reiseleiterin erzählt; hier ist sie..

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