Einladung nach Taiyuan

Einladung nach Taiyuan

Diese Einladung kam für uns, Team einer Altenpflegeschule, überraschend: eine Woche in Peking, eine Woche in Taiyuan für fünf Personen mit Besichtigungsprogramm samt chinesischer Führung, Dolmetscher inbegriffen. In Taijuan sollte die Besichtigung der Krankenpflegeschule ein Schwerpunkt dieser Reise sein. Der Frankfurter Verband, ein von der Stadt Frankfurt finanziell unabhängiges Unternehmen, hat wohl wegen des Namens den Ausschlag für diese Einladung gegeben. Warum aber unsere Altenpflegeschule in Rödelheim, neben Einrichtungen für Senioren des Frankfurter Verbandes, in China ausgesucht worden war, blieb offen. Frankfurt am Main, die reiche Metropole in Germany, hatte vermutlich gepunktet, so unsere Annahme. Im Nachhinein stieß vieles bei dem Gegenbesuch der chinesischen Delegation auf absolutes Unverständnis und löste auch Verärgerung aus. Doch dazu später.

In der Altenpflegeschule des Verbandes, mit überschaubaren Personalstand, fanden intensive Gespräche zu einem für und wider statt. Sollte diese Reise als Privatreise oder Dienstreise bezeichnet werden? Wer würde Haftung übernehmen? Wer wollte mitfahren? Schlußendlich saßen wir zu fünft in einer Maschine von Lufthansa, auf dem Flug von Frankfurt am Main nach Beijing. Die Stimmung war nicht besonders. Wir waren auf einer «Privatdienstreise», dies hatten wir auch schriftlich bestätigt. Nun gut. In Beijing landete unsere Maschine pünktlich am 17. März 2003.

Unsere Gruppe wuchs nun auf acht Personen an. Neben unserem Dolmetscher Z., W.W. von der Krankenpflegeschule in Taijuan, begleitete uns in den nächsten Tagen eine staatliche Aufsicht. Unsere Unterkunft lag dezentral und so lernten wir auch die Subway kennen, natürlich mit Begleitung. Auf dem Programm standen der Besuch eines Krankenhauses und die touristischen Highlights. Große Mauer, Sommerpalast und die Verbotene Stadt.

Große Mauer

Die gemeinsamen Mahlzeiten erforderten manchmal Überwindung. Eine lebende Schlange wurde präsentiert, anschließend gab es das mit Alkohol versetzte Blut als Getränk; Gan bei (das Glas leeren), Prost. Um den Zustand zu dokumentieren muß das Glas umgekippt werden… Schmatzende Laute sind erwünscht, wenn das Essen schmeckt. Eine Serviette ist anders gefaltet und bezeichnet jenen Gast, der bezahlen wird. Jeder Gast stellt sich sein Essen zusammen wie er möchte. Eine große drehbare Platte mit Angeboten macht dies möglich. W.W. konfrontierte uns mit der chinesischen Küche und erklärte die Besonderheiten sehr verständlich. Sie leitete einen Teil der Schule in Taiyuan.

  • Hühnerfußsalat
  • getrocknete Quallen
  • Schlangenhautsalat
  • Schlangenblutschnaps
  • Kartoffelbrei, (wie bei meiner Mutter…)
  • Nachtisch, oftmals Nudeln

Das Programm in der ersten Woche war der Hauptstadt, und Umgebung, mit seinen Sehenswürdigkeiten gewidmet; immer natürlich mit dem staatlichen «Aufpasser». Auf der großen Mauer wanderte ich mit einem Kollegen ein kleines Stück entlang. Der Sommerpalast der Kaiserin, mit Teehaus und einem Schiff aus Marmor, wurde von uns erkundet.

Besuch des Kumming-Sees, der in Handarbeit angelegt worden war, stand ebenfalls an.

Nicht zu toppen war der Besuch der «Verbotenen Stadt«. Der «Tian’anmenplatz» war für das Publikum gesperrt, weil zu dieser Zeit der Volkskongress tagte.

In Beijing schlenderten wir in einer der Hauptgeschäftsstraßen, «Wangfujing», entlang und ich sah mich nach Gewürzen um.


Nach dieser sehr interessanten und schönen Woche in Beijing fuhren wir über eine Autobahn nach Taiyuan, der Hauptstadt der Provinz Shanxi. Die Stadt liegt etwa 400km südwestlich von Beijing am Fluß Fen. Unterwegs sahen wir charakteristische Landschaften, die ich aus Büchern kannte.

In Taiyuan wurden wir bereits erwartet. Schwerpunkt war der Besuch der Krankenpflegeschule mit fast 3000 Schülern. Also kein Vergleich mit unserer Schule in Frankfurt am Main. Umfassend wurde wir informiert über Praxis und Lehre. Der Einblick in die traditionelle chinesische Medizin, die neben der bei uns praktizierten, angewandt wird, wurde mit Beispielen aus der Praxis vorgestellt. Akupunktur als erfolgreiche Behandlung eines Schlaganfallpatienten war so ein Beispiel aus der Praxis.

Nach dem Pflichtprogramm beeindruckte uns die Besichtigung des «Zwei Pagoden Tempel«, der in der Ming-Dynastie zwischen 1580 bis 1620 erbaut wurde. In der Nähe besuchten wir, natürlich mit der üblichen Führung, die Jin Ci Tempelanlage die inmitten der altehrwürdigen Gebäude Stille und Harmonie ausstrahlte, trotz mancher Gesichtszüge von Statuen. Bis in die Song-Dynastie reicht die Entstehungsgeschichte (711 v. Christus).


Ein absoluter Höhepunkt war die Fahrt zu einer alten, gut erhaltenen Stadt, Pingyao, vergleichbar vielleicht mit Rothenburg ob der Tauber. Die großen Gruppen von Touristen würden das bestätigen. Die noch vollständig erhaltene Mauer umschließt die Altstadt, und mit ihr, viele Tempel, Erste Bank der Welt die erste Bank der Welt und Geschäfte.

Für Personen, die nicht zu fuß gehen wollten oder konnten, standen eine Art von «Golfwagen» zur Verfügung. Wir benutzen diese Gefährte nur, um vom Parkplatz bis zum Stadttor zu gelangen.

Nach zwei Wochen verließen wir vollgepackt mit Erlebnissen, abseits der reinen touristischen China-Highlights, das Reich der Mitte, um erwartungsvoll auf den Gegenbesuch in Frankfurt am Main zu warten.

Besuch aus Taiyuan

Unser Dolmetcher Z. aus Taiyuan sondierte zweimal die Gegebenheiten in Frankfurt am Main für den anstehenden Besuch einer Delegation. Das erste Mal wünschte er unterschiedliche Firmenbesuche, drei an der Zahl, bei technischen Produktentwicklern; zum Beispiel besondere Ventile waren gefragt. Zwei Mittelständler ließen den Besuch zu, während ein großer, internationaler Anbieter telefonisch sogleich abwinkte. Ich machte mir so meine Gedanken.

Bei seinem zweiten Besuch kam ein chinesischer Geschäftsmann mit, der auch Kontakte zur deutschen Industrie suchte. Bei einer Stadtbesichtigung verpaßte dieser Geschäftsmann das Umsteigen von S-Bahn zu U-Bahn. Über das chinesische Handy, und auch diesem Umweg, einmal China und zurück, konnten wir einander wieder treffen. Das abschließende Essen schien dem Geschäftsmann zu wenig gewürzt. Er würzte mit Unmengen Salz nach, und Anderem was so auf dem Tisch stand. Dolmetscher Z. war zugänglich, offen und uns eine große Hilfe.

Der Termin zum anstehenden Besuch stand fest, doch die angekündigte Anzahl der Besuch versetzte uns in, sozusagen, finanzielle Not, und überhaupt…. Vereinbart war eine Anzahl von FÜNF Besuchern. Darauf hatten wir uns eingestellt. Unser Dienstgeber war bereit Gästezimmer unentgeltlich in einer Sachsenhäuser Anlage zur Verfügung zu stellen, inklusive Frühstück. Ansonsten waren anfallende Kosten von uns zu tragen. Nach einigem Hin und Her bestanden die zu erwartenden Gäste aus ZEHN Personen. Punkt.

Die Anreise erfolgte zur Unterkunft. Dort besichtigten sie die Gästezimmer, die nicht ihren Vorstellungen entsprachen. Unverzüglich buchten sie unterschiedliche Hotels, je nach eigener «Prominenz». Das Buffet für den Nachmittagskaffe in der Einrichtung wurde noch verkostet. An der anschließenden Vorstellung im Sekretariat der Rödelheimer Schule nahmen nicht alle Gäste teil. Überraschend erschien der Fahrer des Kleinbusses um Bezahlung einzufordern. Der Bus war mit Fahrer in Norddeutschland, vermeintlich Bremen, von den Gästen geordert worden. Wir mußten ihn abweisen mit dem Hinweis, sich an die Auftraggeber zu halten. Als diese unerfreuliche Situation beendet war, fehlte Geld, welches auf dem Tisch lag. Der Busfahrer hatte es nicht genommen.

Wie wir von Dolmetscher Z. erfuhren hatte die Gruppe bereits eine Besichtigungstour in Europa unternommen, die auch von uns bezahlt werden sollte. So die Ankündigung! Über London waren sie eingereist, mit Stopps in Frankreich, den Niederlanden um in Deutschland den Auftrag zu erledigen, das heißt eine Altenpflegeschule zu besuchen. Dieser Besuch beschränkte sich auf den einmaligen Besuch des Sekretariats. Mit Dolmetscher Z. blieben wir in Kontakt, doch unsere Hilfe wurde nicht gebraucht. Die Gäste machten ausgedehnte Shoppingtouren in Frankfurt am Main.

Weitere Zahlungsauffoderungen, wenn sie denn gekommen sind, wären von uns natürlich nicht bezahlt worden. Vielleicht hatte die Stadt Frankfurt sie erhalten… Mit Dolmetscher Z. hielt ich noch einige Zeit Briefkontakt, der dann pötzlich abriß. Die chinesische Schulleiterin W.W., die auch bei den Gästen war, hatte noch mit meiner Hilfe, Kontakt zu einem deutschen Mann geknüpft. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. …und als die Delegation abgereist war fielen uns Gesteinsbrocken von den Herzen.

Jahre später führte eine Reise nochmals nach Beijing; nachzulesen auf www.weltenquerung.de/zwischen-beijing-und-osaka-1-teil

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