4handqubit on tour

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Als Gyps und ich.., also der Reihe nach. Auf diesem Metallkasten wollten wir nach 35°25’59” Nord , 113°56’30” East als blinde Passagiere reisen, und unsere Vorräte waren ziemlich umfangreich. Doch Gyps Vorrat mit entsprechendem Geruch wurde schnell entdeckt und über Bord, nein nicht geworfen, weggeschrubbt. In der Zeit, die wir noch auf Deck verbrachten, immer in Deckung, wurde er von einigen Genossen, die Wasserflossler fingen, – ich war sprachlos, mit Resten versorgt. Das war natürlich kein Zustand – wir überlegten. Brennendes Wasser mit ätzenden Rauchschwaden machte unsere Lage nicht besser. Verkohlte und halb geendete Verwandte fielen von Himmel, das Gefieder manchmal mit einem klebrigen Film überzogen, – nur Elend. Essenslieferungen für Gyps trafen nicht mehr ein und so machten wir uns auf und verließen bei 49°37’24.522” Nord, 164°11’50.091” East den schwimmenden Blechkasten. Versteckt auf den Rücken von Gyps war ich nun mit ihm, anders als vereinbart, statt in Richtung Ost nun in Richtung West unterwegs.

Winde ließen Gyps nach Südwest abdriften. Mir war das zeimlich egal, ich hoffte nur auf baldiges Land und verkroch mich im Gefieder meines Freundes. “Land in Sicht“, meinte Gyps und verlor schon an Höhe. Ich streckte meinen Kopf hinaus und war nicht begeistert. “Hier, – was sollen wir hier, das ist ja öd, öde, hörst du”, maulte ich, doch ich bekam keine Antwort. Gyps kreiste und kreiste, bis endlich ruckartig ein geeigneter Landeplatz erreicht war. Da hockten wir nun auf einen der seltsamen Arme, die weit und hoch hinaus reichten. Unter uns allerlei an, für mich, Unbekannten, schwarze Steinberge und auch Blechkisten, – öde, öde… Gyps schien es auch nicht so besonders zu gefallen. “Kleiner, … einen Platz, der uns ein wenig Komfort bietet”, meinte er. Ich verkniff mir etwas zu sagen. Seine Zupferei an der Halskrause bedeutete, wie ich schon wußte, eine gewisse Unsicherheit. “Da drüben ist’s grün, da drüben auf dem Hügel”, dabei reckte ich meinen Kopf und deutete in die Richtung auf den einzigen, passablen Platz weit und breit. Gyps krächzte unverständlich, doch er war einverstanden, natürlich, was sonst, und wir starteten.

So bald als möglich wollten wir uns wieder vom Acker machen, auch Gyps war, – was Wunder, dieser Ansicht. Mein Verlangen nach frischem Wasser blieb nur ein Wunsch. Bei stinkendem und modrigem Geruch suchten wir nach Verwertbaren um unsere Bäuche zu füllen. Gyps warnte mich ständig, da ich in meiner Unbedarftheit Ungenießbares mit meinen Schnabel aufpickte. Ein Elend zur Potenz, nichts wie weg …, und das hungrig.

Gyps jammerte und auch ich war nicht besonders gut drauf. Wie sollten wir nun weiterkommen ? Die Lage spitzte sich zu und aus Gyps Innerem klangen furchterregende Laute. So war ich froh, als wir den Entschluß faßten, mit und auf Blechkisten weiterzureisen. Die Auswahl fiel anfangs auf schwarze Steinklumpen und später auf tote Bäume, die in riesigen Behältern auf Rädern lagen. Zweibeiner sahen wir keine, nur ihre Stimmen vernahmen wir hin und wieder. Gemütlich war’s nicht, aber ich war zufrieden weiterzuziehen. Schier endlos ratterten die Metallbehälter in Richtung Westen und die Tage vergingen. Irgendwann legten wir einen Stopover ein. Überraschenderweise ein guter Ort, um wieder aufzutanken. Gyps verschwand für einige Zeit und kam mit vollem Wanst zurück. Auch ich kam auf meine Kosten und war endlich wieder einmal satt geworden, bevor es weiterging…

“Hi, wer seid denn ihr”, vernahm ich eine Stimme, als ich in der Blechkiste landete und Gyps gleich nach mir. “.. und wer bist du”, motzte Gyps sogleich in Richtung des bunten Irgendwas. “Sieht aus wie ein farbiger Vierhänder”, meinte ich und äugte verwundert auf dieses Wesen. “Bleib mir vom Hals”, krächzte Gyps und zu mir gewandt, “vielleicht färbt das noch ab”. Ich kicherte in mich hinein und dachte an den eingepinkten Mangagyps, der Wutanfälle bei meinem Freund ausgelöst hatte. Die verkuppelte Schlange der aneinander gereihten Transportboxen setzte sich langsam in Bewegung. Gyps schien seine anfängliche Skepsis überwunden zu haben und hatte sich in Richtung auf unser mitreisendes Etwas zubewegt. Ich vernahm noch, daß der Name Qubit fiel, bevor ich in meiner Ecke eindöste.

..als wir Virtuallien besuchten und ich nicht mitmachen wollte…

Als ich meine Dösphase beendet hatte kam Gyps auf mich zu, aufgeregt, um nicht zu sagen euphorisch, und überschlug sich in seiner Berichterstattung. “Das ist’s, da will ich hin.. ich hab’s, ich hab’s, Virtuallien, ich zeig’s dir, …“, waren seine fast unverständlichen Kehllaute, die mich nur verwirrten. “Du bist ja spooky”, erwiderte ich, “Viralien ? Wo soll das sein?” “Nein, nein, Virtuallien, Virtuallien mit Qubit”, entgegenete mir Gyps, nun hin- und herwippend auf den schwarzen Steinen, die fast bis an das obere Wandende unseres Behälters reichten. Ich konnte nicht über diesen Rand lugen, die anderen beiden schon, shit. Qubit hatte sich in unsere Ecke aufgemacht und verfolgte unser Gespräch. Kleinlaut muckste ich auf, “ich möchte so bleiben wie ich bin und nicht da hin…”. Die beiden sahen einander an, ihre Gedanken konnte ich nicht lesen, aber bei mir dachte ich, träumt nur. Dann tauchten wir ein in Virtuallien…




“Was wird Mega dazu meinen, wenn du dorthin willst”, fragte ich bei Gyps nach. “Es hat sich ausgemegat, lang genug…”, entgegnete er, “ich will in beide Exit-enzen, Existenzenha, genau wie Qubit”. Mir war das nicht geheuer, aber ihn, den alten Borderliner, – konnte ich nicht aufhalten. Am nächsten Tag war ich allein und hockte mich auf den Kistenrand, um die Gegend zu betrachten. Was ich sah, ließ meine Hoffnung auf bessere Zeiten schwinden. Rauch zog über Land, Häuser waren versunken und nur windschiefe Dächer reckten sich in den weiten Horizont. Ich flog entlang der fahrenden Schlange und entdeckte einen angenehmeren Platz mit Futterangebot, ein unverhofftes Glück. Löcher in einer Plane gewährten Zugriff auf Körner und an mehreren Stellen sammelte sich Morgentau. Geregnet hatte es schon lange nicht mehr. Ich saß betrübt in einer Ecke und wartete auf die Zukunft.

Ich erinnerte mich an http://www.weltenquerung.de/2018/12/16/als-ich-den-borderliner-traf und fand im Wwwpunkt eine Spur zu Gyps und dem seltsamen Qubit. Da waren sie wohl unterwegs gewesen, eine seltsame Gegend und nichts für mich.

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