Wo Greyhounds keine Hunde sind

Wo Greyhounds keine Hunde sind

2005 Von Shreveport nach New Orleans ….

und von New Orleans über Houston nach Dallas

Frühmorgens in Shreveport, Lousiana, startete unser Greyhound von einer dunklen Straße aus in Richtung Süden. Am Vortag waren wir noch in einem der Spielkasinos, Horse Shoe, sozusagen auf Sightseeingtour gewesen. Reger Betrieb an den Spieltischen und Banknotenbündel hinter den Tresen der Bank ließen mich staunen. Es war jedoch ein Eldorado für nur wenige. Das Glückspielverbot in Texas lockte auch viele Spieler aus dem Nachbarstaat hierher nach Lousiana. Unser Ziel hieß New Orleans: es war das Jahr 2005, also noch vor dem Hurrican Catrina, der die Stadt verwüstete. Ein Schmelztiegel von allem und jedem sollte uns erwarten und auch Mardi Gras, Karneval in New Orleans, was für ein Erlebnis; – nach einigen Stunden Busfahrt…

Als sich die Dämmerung allmählich verzog, waren wir bereits auf dem Highway Richtung Alexandria und die Passagiere schienen ihren Busschlaf abzubrechen. Es wurde etwas lauter und der Bus-Chauffeur forderte hin und wieder die Reduzierung der Lautstärke ein. Er war ein Mann der alten Schule, war Kapitän seines Busses und Respektperson. Bei späteren Fahrten konnten wird diese Art von Chauffeur nicht mehr kennenlernen, da gab es “nur” mehr Busfahrer, mehr oder weniger. Wir verließen den Highway und fuhren über Land in den tiefen Süden der USA. Natchitoches wurde angesteuert, ein größeres Dorf. Einige Anbieter von Sandwiches und ähnlicher Unterwegsverpflegung kamen in den Bus und versorgten uns. Eine junge gutgelaunte Frau stieg zu, Nora. Als wir weiterfuhren, weiterhin über Land, präsentierte sie ihr Talent als Sängerin. Das gefiel nicht allen. Wir saßen weiter vorne im Bus und sie ganz hinten. Ich fand’s schön, als Gospelgesang die Geräuschkulisse der miteinander Redenden übertönte, doch unserem Chauffeur gefiel das offensichtlich nicht. Er ermahnte sie mehrmals, doch diese Ermahnungen wirkten nur kurze Zeit und wieder ertönte ihre schöne Stimme im Bus. Nach der vierten Ermahnung blieb der Bus abrupt stehen. Die Ankündigung, Nora aus dem Bus zu werfen, wenn sie nochmals anfangen würde zu singen, zeigte nun Wirkung, bis Opelousas und weiter bis nach Lafayette. Dort verließ Nora unsere Fahrgemeinschaft. Bei dem Stopp in Opelousas posierte Nora für mich. In Lafayette, hier bestand eine Umsteigemöglichkeit in Richtung Houston, verließen uns einige der Passagiere und neue kamen hinzu. Unter anderem ein hinkender Kriegsveteran in Badeschlappen und nur mit T-shirt bekleidet, – es war Januar und kalt. Die Kälte hatte er vermutlich mit Alkohol bekämpft, es war zu riechen. Im Bus waren Getränke in Flaschen, und Alkohol sowieso, verboten, ebenso laute Musik und/oder Gesang… Unser Buskapitän behielt den Überblick. Wir näherten uns Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas, wo der Kriegsveteran ausstieg. Vorher hatte ihm einige der Passagiere Geld zugesteckt, ein armer Kerl. Es war nicht mehr weit zu unsem Ziel. Ich drückte mir fast die Nase am Fenster platt, als wir schon in der Stadt, genannt “The Big Easy”, die letzten Kilometer hinter uns brachten.

Unser Hotel lag im Garden Distrikt mit seinen Südstaaten-Villen. Mit der Straßenbahn gelangten wir in das Zentrum, von wo wir fußläufig auch das French Quater erreichen konnten. Je nach Fahrtrichtung konnten die hölzernen Sitzbänke umgeklappt werden. Die Elektrik der Straßenbahn spuckte des öfteren “Feuer”, blieb manchmal stehen, um “repariert” zu werden. Wir waren, wie meistens gut zu Fuß und bewältigten die restliche Wegstrecke dann ohne Probleme. Zwei Tagestouren unternahmen wir mit einem örtlichen Anbieter: In die Swamps und eine Platation-Tour.

Die Rückreise führte uns entlang der texanischen Küste über Beaumont und Houston nach Dallas. Am späten Abend erreichten wir unser Ziel und verbrachten, in Mangel jeder weiteren Fahrmöglichkeiten, die Nacht im Busbahnhof. Hier fühlten wir uns sicher in dieser uns fremden Stadt. Bei den Anwesenden wurden regelmäßig die Fahrscheine kontrolliert. Wir waren ja nun hier gestrandet und wollten am nächsten Tag mit dem ersten (einzigen ? ) Bus nach Arlington, – so wurden auch wir geduldet. Die Nacht verlief kurzweilig, an Schlaf war kaum zu denken. Ziele wurden aufgerufen, Los Angeles, Atlanta, Miami,… Am nächsten Tag erreichten wir Arlington-Busstop, wo unerwartet ein Taxi mit dem Fahrer Tony stand; ein glückliches Ende auf den letzten Meilen.

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