Unterwegs ins Donaudelta
Um nach Wien zu kommen, wählten wir die Bahn. Eine Fahrt mit dem Bus von München nach Bukarest wäre zu lange geworden. Also machten wir einen Stopover für zwei Nächte in Wien; Sightseeing ?, doch dazu in einem anderen Bericht. Am späten Nachmittag des Abreisestages ließen wir uns von einem Taxi nach Erdberg zum Busbahnhof bringen. Für Wien eine blamable Örtlichkeit. Ein Platzregen verstärkte nur noch diesen gefühlten Zustand. Nässe kam zwischen Verkleidung und Dach durch, und ja, es war trostlos. Der Aufenthaltsraum glich einer Sauna.



Keine größere Anzeigetafel war zu sehen. So waren wir froh, als unser grüner Bus bereitgestellt wurde. Der Busfahrer ließ sich neben den Tickets auch die Pässe zeigen. Wie sich später herausstellte, entfielen an den Grenzen die Kontrollen. Wir mußten durch Ungarn, um nach Rumänien zu gelangen. An die 19 Stunden dauerte die Fahrt. Über den Bus samt Besatzung gab’s nichts zu meckern, tip-top.
Chaotisch und herausfordernd war die Verkehrssituation, bereits im Einzugsgebiet der Hauptstadt Rumäniens für unseren Busfahrer. Dank seiner guten Ortskenntnisse und auf Schleichwegen, so mein Eindruck, erreichten wir den Busbahnhof in Bukarest; nur mit einigen Minuten Verspätung. Als wir ausstiegen erwartete uns eine Hitzewand. Unsere Planung, das gebuchte Hotel ungefähr 2km entfernt, zu Fuß zu erreichen, war unmöglich… Mit dem Taxifahrer machte ich einen außertariflichen Preis aus, damit er uns zum Hotel Criss bringt. Er willigte ein: 50.-Lei (ca. 10.-€) sollte es für die kurze Strecke kosten, die wir in mindestens 20 Minuten, wenn nicht länger, hinter uns brachten. Wie unser Taxifahrer erzählte, sei das um diese Zeit immer so… Im kühlen Hotel bezogen wir unser Zimmer, es war früher Nachmittag. Dieses Hotel hatte ich, in Voraussicht, in der Nähe des Busbahnhofes gebucht, und das war gut so. Nach der langen Busfahrt sollte nicht noch eine lange Taxifahrt in die Innenstadt notwendig werden. Bei der Verkehrssituation, wie wir sie erlebten, ein NOGO. Das Hotel, alter Style, aus besseren Zeiten mit wenigen Gästen; Monteure, Handelsreisende, aber keine Touristen. Ein großer Parkplatz stand zur Verfügung. Abends erkundeten wir noch die nächstgelegene Metrostation, nach Fast-Food bei McDonald.
Am nächsten Tag, die Verkehrslawine war wieder angeschwollen, machten wir uns auf zur Metrostation Pacii. Gut erreichbar, 15 Minuten entfernt. Mit den Koffern die Treppen nach unten, um dann an den Drehkreuzen anzuhalten. Albrechts Mastercard wurde akzeptiert, das Drehkreuz öffnete sich, aber – was war los?, meine Mastercard verweigerte den Bezahldienst, eine Ungeheuerlichkeit !
Ich, zuständiges Personal vor Ort, Albrecht, wir alle probierten mehrmals an unterschiedlichen Metrostationen, aber der Bezahlvorgang wurde verweigert. Albrecht reichte, wie dann immer in den Metrostationen, seine Mastercard zu mir und ich konnte nach Bezahlvorgang passieren. Meine Karte hat sonst immer funktioniert, unglaublich.
Das war unsere erste Fahrt mit der Bukarester Metro, der noch viele folgen sollten. Wir schafften sogar den richtigen Ausgang, um nach 20 Minuten zu unserer Unterkunft Victoriei City Studios
in der 57 Strada Grigore Alexandrescu, Sektor 1 zu gelangen. Was soll ich sagen, es war die Beste auf unserer dreiwöchigen Rumänienreise. Auch Waschmaschine und Trockner konnte ich nach 18 Uhr benützen, super.
Sonntags machten wir uns auf zum Präsidentenpalast. Die Hitze erforderte die Mitnahme von Wasserflaschen, die auch überall zu bekommen waren, sollte Bedarf bestehen. Über dieses monumentale Bauwerk gibt’s jede Menge an Informationen, die ich hier nicht weiter ausbreiten möchte; (Wikipedia, KI, …) Den Status als zweitgrößtes Bauwerk, nach dem Pentagon, hat es inzwischen verloren. Mit seinen 3100 Zimmer kann es punkten, doch die tatsächlichen Greuel jener Zeit halten sich in dem neoklassizistischen Bau bedeckt. Ceausescu Nicolae beherrschte in der Zeit von 1965 bis 1984 als kommunistischer Diktator Rumänien und setzte sich mit diesem Bau ein eigenes Denkmal. Ab 1984 wurde gebaut und als Nicolae und seine Frau Elena Ceausescu hingerichtet worden waren (1989), wandelte sich die Nutzung. Heute residiert dort das rumänische Parlament, auch andere Einrichtungen sind untergebracht. In der rumänischen Bevölkerung scheinen manche, wenige, jener Zeit nachzutrauern, nun ja, gedankliche Paralellen zu anderen Gesellschaften sind auffällig. In meiner Erinnerung ein Beispiel: Beim Anblick einer verfallenen Industrieanlage fiel mir gegenüber die Äußerung einer weiblichen Person, «after revolution, see …». Handbewegung und Gesichtsausdruck unterstrichen die Einstellung, unter Ceausescu war es besser. Besser sicherlich für jene Gruppen die ihm huldigten und voll auf Linie waren.

Auf zu Ceausescus Megabau! Durch den Izvorpark (Metrostation Izvor) gelangten wir zum Eingangstor und durch einen etwas verwahrlosten Park zum Eingang. Bevor wir zu den Ticketschaltern konnten wurde kontrolliert: Paß vorweisen, Flaschen verboten, Körperscan und Taschen; so wie auf Flughäfen…Sicherheit geht vor. Meine Tasche war schon durch, Albrecht ebenfalls. Ich wollte noch die Wasserflasche austrinken und entsorgen, ok. Als ich zur Kontrolle zurückging wurde ich auf gefordert meine Hosentasche zu leeren. Ein kantiger Gegenstand zeichnete sich ab. Es war meine Kreditkarte. Als dies geklärt war konnte ich auch passieren. Huch. Es war kurz nach 9h. Die nächste (erste) Führung sollte um 10h beginnen. Das wollten wir nicht und verließen diese pompöse Halle. An der Straße wanderten wir an einer elendslangen Mauer entlang. Ich wollte die Rumänisch Orthodoxe Kathedrale mit Sitz des Patriarchen besichtigen, daraus wurde leider nichts, abgesperrt; es wurden noch Bauarbeiten durchgeführt. Führungen gab es nur zu gewissen Zeiten.



…angrenzend hörten wir Gesang aus dem Garten einer kleinen Kirche. Für mich stellte sich nun auch ein sonntägliches Gefühl ein. Berührend.

Nach einem längeren Innehalten machten wir uns auf den Weg an die «Schokoladenseite» des Palastes. Wieder ging es entlang einer Mauer, jedoch ein Grünstreifen und Bäume machten die Bewältigung bei Hitze erträglicher. An der Vorderseite erhaschte ich so manchen Blick in das Innere der Anlage. Im Gegensatz zur Einlaßseite für Touristen war die Parkfläche gepflegt, das Gras im kräftigen Grün, Blumen, Bäume. Die Einfahrt für jene die hier anreisen durften, oder ihren täglichen Verpflichtungen nachgehen wollten, war durch Security gesichert. Fotoaufnahmen verkniff ich mir. Bald erreichten wir den riesigen Platz, der bereits von einigen Touristen besucht war; Fotos usw. wurden gemacht, so auch von mir. Erst hatte ich Schwierigkeiten, ohne Weitwinkel den Palast vollständig zu erfassen; naja. Für mich war es Masse statt Klasse. Schön war es hingegen, den angelegten Boulevard in Richtung Piata Unirii entlang zu schlendern. Prachtbauten säumten die Allee, die mehrfach gegliedert war, breite Wege beiderseits nur für Fußgänger. Die alten Bäume spendeten Schatten, Bänke machten Pausen möglich. Es war heiß. Der Bodenbelag war, wie an den meisten Stelllen in der Stadt, teilweise holprig, auch Trepppenstufen könnten brüchig sein, ja, Achtung.
Um die Altstadt von Bukarest zu erkunden hatte ich mir schon eine TOGO–Liste gemacht. Im Sektor 1 gelegen, bietet sie eine Fülle an Besonderheiten, Überraschungen und vor so manchen blieb ich staunend stehen. Bukarest ist eine Reise wert.
Hier meine «Liste» für die Altstadt rund um Strada Lipscani:
- Carturesti Carusel, schönste Buchhandlung der Welt
- Caru’cu Bere, Lokal
- Macca Villacrosse Passage, mit Lokalen
- Hanul cu Tei, Durchgang mit Kunstläden und Lokalen
- Kloster Stavropoleos
























Nach zwei Tagen und einem kurzen Rundumschlag machten wir uns auf nach Constanta am Schwarzen Meer. Bukarest hätte noch einiges zu bieten an Architektur, historischen Plätzen, Geschichten und Besonderheiten. Hier noch einige Straßenszenen, die ich eingefangen habe…








