Unterwegs ins Donaudelta

Unterwegs ins Donaudelta

Was soll ich sagen,- die zweistündige Zugfahrt von Bukarest nach Constanta in der ersten Klasse sollte ein Vorbild für so manchen Anbieter in Mitteleuropa sein. Der Waggon mit zwei Sitzen rechts und einem Sitz links, Beinfreiheit, und, und, … wie machen sie das nur? Leider war der Bahnhof in Constanta weniger hervorstechend, aber gut, wir waren angekommen, und das pünktlich. Im Hotel, das wir mit einem illegalen Taxi erreichten, da habe ich zu viel bezahlt (umgerechnet €10.- statt €3.-). Ich verteidigte mich mit der Aussage, einen armen Familienvater ohne Zähne unterstützt zu haben. Ja, auch das ist Rumänien. Im Hotel erhielten wir auf Wunsch ein Upgrade, da wir sonst auf unser Zimmer noch hätten warten müssen. Das Hotel mit gediegener Einrichtung strahlte eine angenehme Atmosphäre aus. Das Zimmer war besonders, siehe:

Im 7. Jahrhundert vor Christus gründeten Griechen die Stadt unter dem Namen Tomis. Später war sie für lange Zeit eine römische Stadt. Der Name wurde beibehalten. 8 n.Christus wurde der römische Dichter Ovid hierher verbannt. Die Gründe sind nach wie vor nebulös. Kaiser Augustus, ein konservativer Herrscher, könnte mit Ovids Schriften nicht einverstanden gewesen sein, oder, was auch vermutet wird, Ovid könnte Verbotenes gesehen haben… Auch Kaiser Tiberius, der Nachfolger Augustus, hob den Bann nicht auf. 17 n.Christus, so die Überlieferung, verstarb Ovid ohne seine Heimat, Italien, wiedergesehen zu haben. Nach den Römern folgte die byzantinische Herrschaft, um schlußendlich, nach vielen auf und ab, mußten die Menschen des Landes wieder eine andere Staatsform erleben; (Annektion durch die Sowjetunion). Ceausescus Diktatur folgte bis 1989. Heute ist Rumänien Teil der Europäischen Union. Eine bewegte Geschichte mit vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen prägten die Hafenstadt. Ein florierender Großhafen und der bekannte Badeort Mamaia lassen für die wirtschaftliche Entwicklung Positives erwarten. Die Römer haben in der rumänischen Sprache ihre Spuren hinterlassen, – Strada, Piata; und Ovid hat sich hier einen Platz reserviert «Piata Ovidiu».

Vor unserem Hotel hielt der Bus 51 mit dem wir in Richtung der Strandpromenade fuhren (Endstation) und ich eines meiner Highlights, das Casino, sehen konnte.

1880 war das Casino einst als Holzgebäude errrichtet worden. Seit 1910 steht der Jugendstilbau in seiner heutigen Form an dieser exponierten Stelle als Wahrzeichen Constantas; (Queen Elizabeth 4 Boulevard). Es war Treffpunkt für die Prominenz und für alle, die sich dafür hielten. Im 2. Weltkrieg diente es als Notlazarett. Seit 2025 ist das Casino vollständig renoviert und öffentlich zugänglich.

Bereits 1822 stand an dieser Stelle eine Moschee, jedoch in der Zeit von 1910 bis 1913 ließ der rumänische König Carol I. im maurischen Stil dieses Bauwerk erstellen. Vorbild war die Moschee in Konya/Türkei.

Im Zentrum der Altstadt beeindruckten noch andere Gebäude, die sich aber teilweise im Zustand von Renovierungen/Sanierungen befanden. Dieser Tag in Constanta hat meine Wünsche und Erwartungen erfüllt, auch ein Lokal am Piata Ovidiu verführte mit seiner Speisekarte; ja, auch die dann gewählten Speisen waren vorzüglich. Nochmals an die Promenade wollten wir, um die Atmosphäre dieses Ortes zu fühlen, bevor wir mit dem Bus zurück zu unserem Hotel fuhren.


Aus ©Wikipedia übernommen: Während die Süddobrudscha zu Bulgarien gehört, liegt die Norddobrudscha in Rumänien; Flächenanteil 15.570 Quadratkilometer, mit den Verwaltungskreisen Constanta und Tulcea im Südosten des Staates am Schwarzen Meer. Die Dobrudscha umfaßt 6,5% der Fläche Rumäniens. Der Name geht auf das bulgarische Frachtschiff «Dobrudscha» zurück.


Morgen sollte es weitergehen, mit dem Regionalzug nach Tulcea. Die Fahrkarten hatten wir uns bereits am Ticketschalter in Bukarest besorgt. Nach meinen Informationen fuhr nur ein Zug ohne Umsteigen, in Medgidia, von Constanta nach Tulcea; Abfahrt um 15:16 und Ankunft nach 179 km in Tulcea um 19:36. Unterwegs gibt es 20 Haltestellen. Also los mit R8664 (interreg)… Im Vorfeld wurde uns unaufgefordert, an mehreren Stellen, abgeraten mit dem Zug zu fahren. Mit Taxi oder Bussen sei das Ziel schneller zu erreichen, aber ich, als Eisenbahnfreak, habe das natürlich abgelehnt.

Die Zuggarnitur war modern und auch gepflegt. Wir verfrachteten unser Gepäck und los ging’s die Fahrt durch die Landschaft der Dobrudscha. Die unendliche Weite der Steppe, leichte Hügel bestückt an vielen Stellen mit Windrädern, Herden von Schafen , Ziegen, vereinzelt Pferde und menschliche Begleiter der Tiere. Immmer wieder gab es auch bestellte Felder, vor allem Sonnenblumen, knapp vor der Ernte, ließen sie ihre Köpfe hängen.Ich empfand die vielen Haltestellen, 20! als willkommene Abwechslung. An Dörfern, kleinen Städten, so man sie so nennen konnte, aber auch an einzelnen verfallenen Gehöften, und Bahnwärterhäuschen machten wir Halt. Keine Hektik war zu spüren und auch an den Stationen dauerte es so manche Minute länger bis Gespräche zwischen Bediensteten auf den Bahnsteigen beendet waren. Mitreisende, die in unserer Sichtweite saßen hantierten mit Geldbündeln. Es roch nach «Mensch». Das heißt ein junger, stark übergewichtiger Mann mit wirren Vollbart hantierte damit. Er versteckte die Bündel unter seiner undefinierbaren Oberbekleidung und zog sie wieder hervor. Er wedelte vor dem Gesicht seines älteren männlichen Gegenübers, um sie dann wieder zu verstecken. Ich machte mir so meine Gedanken. Hat er vielleicht geerbt, hat er in der Lotterie gewonnen, diese geheimen Fragen konnte ich nicht klären. Als es dem Ende der Fahrt zuging, die Steppenlandschaft lag hinter uns, fuhren wir durch das Waldschutzgebiet Babadag, (Padurea Babadag) mit seltener Flora und Fauna; unter anderem jahrhundertalte Flaumeichen. Wald, aber auch Seen prägten nun die Landschaft und der Zug schlengelte sich auf der eingleisigen Strecke durch dieses Naturhabitat. In Tulcea war Endstation, alle mußten aussteigen, auch der Geldwedler; natürlich.

Den nächsten Tag (zwei Übernachtungen) verbrachten wir mit Erkundungen und der Buchung für die Fahrt mit dem Airportshuttle nach Bukarest bei dem Anbieter Kirvad. Sein Büro fanden wir auch ohne Umwege. Vor unserer endgültigen Abreise würden wir noch drei Nächte in Tulcea verbringen, die wir für Sightseeing nutzen wollten. Unsere Fähre nach Sulina, die Stadt ist mit Autos nicht errreichbar, war gebucht. Im Büro von Navrom Delta erfuhren wir Genaueres: Boarding war ab 9h30 möglich, also eine halbe Stunde vor dem Ablegen der Fähre. Meist trieben wir uns an der modern gestalteten Hafenpromenade herum, auch besuchten wir eines der vielen Lokale mit gutem Essen und günstigen Preisen.

Die Koffer wurden von uns auf Anweisung in den dafür vorgesehenen Bereich abgestellt und einen Platz an Deck vereinnahmten wir ohne Probleme. Viele Passagiere kamen kurz vor dem Ablegen der Fähre und mußten sich mit Restplätzen zufrieden geben. Es ging los, donauabwärts auf einem der drei Hauptarme, wo Schifffahrt möglich ist.

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